Wissenschaftliche Konflikte machen nicht vor Ländergrenzen halt. Kooperationen wissenschaftlicher Einrichtungen, die in verschiedenen Ländern lokalisiert sind, sind in der Wissenschaft die Regel. Entsprechend betreffen Konflikte oder Hinweise auf wissenschaftliches Fehlverhalten nicht selten Wissenschaftler*innen und Einrichtungen mehrerer Länder.
Über das European Network of Research Integrity Offices (ENRIO) haben sich acht Einrichtungen zusammengefunden, die im Rahmen einer Arbeitsgruppe Empfehlungen zur Bearbeitung derartiger translationaler Fälle entwickelt haben. Das resultierende Netzwerk “Orientierung zur transnationalen Fallbearbeitung” (OTF), in dem auch die Geschäftsstelle des OWID und die Abteilung “Wissenschaftliche Integrität” der DFG mitwirken, hat sich mit häufigen Verfahrensfragen befasst. Es wurden Empfehlungen zur Bearbeitung von Fällen entwickelt, an denen die Länder Deutschland, Luxemburg, Österreich und/oder die Schweiz (dem D-A-CH-L-Raum) beteiligt sind. OTF möchte Ombudspersonen und andere Stellen im deutschsprachigen Wissenschaftsraum, die mit der Bearbeitung länderübergreifender Fälle betraut sind, mit praxisorientierten Hilfsangeboten unterstützen.
Die Ergebnisse wurden nun auf einer neuen Website veröffentlicht: https://oeawi.at/otf/. Die Website des OTF-Netzwerks stellt Ressourcen zur Bearbeitung von Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis und Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit internationalen Bezügen bereit.
Es wurden Entscheidungshilfen bei Verfahrensfragen für GWP-Beauftragte (wie Ombudspersonen der GWP) sowie ein Glossar entwickelt, das die Spezifika der beteiligten Länder berücksichtigt. Neben Informationen zu den GWP-Systemen der beteiligten Länder enthält die Seite typische Fallbeispiele zur Illustration von bei den Netzwerkpartnern beobachteten Schwierigkeiten bei der Bearbeitung internationaler Fällen. Auch Betroffenen und wissenschaftlichen Einrichtungen können die Ressourcen Orientierung bieten. Betreut wird die Website von der österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI).
Derzeit ist eine Pilotstudie mit GWP-Beauftragten der beteiligten Länder in Vorbereitung, um die angebotenen Ressourcen zu überprüfen und zu verbessern. Die Arbeit des OTF-Netzwerks wurde zunächst auf den deutschsprachigen Raum beschränkt. Es ist denkbar, die Empfehlungen auch auf weitere Länder zu erweitern.
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